Hochsensibilität

Was unter Hochsensibilität verstanden wird

Die amerikanische Psychologin Elaine N. Aron prägte auf Basis ihrer Untersuchungen die englische Bezeichnung „highly sensitive person“. Wie mittlerweile eine Vielzahl anderer Autorinnen und Autoren, die sich intensiv mit dieser Thematik auseinandersetzen, bezeichnet Aron damit Menschen, die ein besonders empfindsames Nervensystem haben und Reize demnach viel eingehender wahrnehmen und verarbeiten als das beim Durchschnitt der Bevölkerung der Fall ist. Im deutschen Sprachraum hat sich die Übersetzung „Hochsensibilität“ durchgesetzt, wenngleich von manchen Autoren nicht ganz zu Unrecht auch andere Begriffe (wie zum Beispiel „Hochsensitivität“) verwendet werden. Aron geht davon aus, dass ca. 15-20% der Menschen hochsensibel sind, wobei das Vorhandensein dieses Wesenszugs in den unterschiedlichen Wahrnehmungsbereichen variieren kann. Einige Menschen fühlen sich in nur wenigen Erfahrungsbereichen intensiv betroffen, andere in nahezu allen. Viele hochsensible Personen (HSP) berichten davon, schon früh in ihrem Leben das Gefühl erfahren zu haben, anders zu sein als andere – wenngleich dies meist lange nicht konkret benannt werden konnte. Hochsensibilität tritt bei Frauen und Männern gleich häufig auf, viele HSP sind Spätentwickler. Die meisten HSP kennzeichnet ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung, wenngleich es unter ihnen auch die Gruppe der „Sensation Seeker“ gibt, die sich stets auf der Suche nach neuen Reizen und Herausforderungen befinden. In etwa 70% der HSP gelten als introvertiert. Für HSP ist es wichtig, sich ausreichend Zeit zu nehmen, um Sinneseindrücke, Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. Sie bemerken meist eine Vielzahl an Details, spüren Stimmungen anderer intensiv, haben einen hohen Gerechtigkeitssinn, viel Sinn für Kunst und Natur und ein besonders reiches Innenleben. Es wird angenommen, dass es sich um eine vererbte Ausprägung handelt und der Schluss liegt nahe, dass die Hochsensibilität eines gewissen Teils einer Population einen evolutionären Vorteil mit sich bringt. Zumal bei höher entwickelten Tieren ein ähnlicher Prozentsatz hochsensibler Individuen angenommen werden kann, wie Studien des Verhaltensforschers Iwan Pawlow nahelegen.
HSP nehmen also intensiver und mehr Feinheiten wahr und benötigen entsprechend mehr Zeit für die Verarbeitung ihrer Wahrnehmungseindrücke. Bei der heutigen Flut an alltäglichen Reizen und dem Erwartungsdruck, dem wir in unserer Gesellschaft häufig schon früh in unserem Leben ausgesetzt sind, erscheint es daher nicht verwunderlich, dass bei vielen besonders sensiblen Menschen und deren Angehörigen, Hochsensibilität zunächst vor allem in herausfordernden Situationen zum Thema wird. Dann nämlich, wenn klar wird, dass im Umgang mit dem Tempo der Zeit, dem Lärmpegel einer Großstadt, der Menschenmenge im Einkaufszentrum usw. völlig andere und intensivere Erholungsstrategien erforderlich sind als bei Menschen ohne dieses Wesensmerkmal. Ein Umstand, der zur Folge hat, dass Hochsensibilität nicht selten zunächst als Manko und erst nach intensiver Auseinandersetzung mit den hochempfindsamen Wesensaspekten (auch) als Stärke, besonderes Talent und Gabe erlebt wird.

Gosauseen, 8.8 (27)

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